Personalia

Nachruf auf Fritz Schieri

Professor Fritz Schieri ist am 24. Februar in Dachau in seinem 87. Lebensjahr verstorben. Zurückgezogen, wie er seine letzten Jahre verbracht hat, fand auch seine Beerdigung im engsten Kreise statt. Hier gilt es nun, wenngleich unvollständig, seiner Lebensstationen und seines Wirkens, das der Kirchenmusik stets nahestand, zu gedenken.

Fritz Schieri wurde am 27. März 1922 in München als Sohn eines Gürtlers geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine früh erkannte musikalische Begabung fand Förderung durch Geigen-, Klavier- und Theorieunterricht. Nach dem 1940 am Münchner Wilhelms-Gymnasium abgelegten Abitur arbeitete Schieri als Korrepetitor an der Bayrischen Landesbühne, einem an verschiedenen Orten gastierenden Theater, bis er 1941 zur Flakartillerie eingezogen wurde. In Russland wurde er 1945 verwundet und geriet nach Kriegsende in englische Kriegsgefangenschaft. 1946 erfüllte sich sein lange ersehnter Wunsch, das Studium an der nach zweijähriger Pause wiedereröffneten Musikhochschule in München beginnen zu können. Dort hatte er die Fächer Dirigieren (Hans Rosbaud) und Komposition (Joseph Haas) belegt. Als Assistent von Prof. Hans Mersmann gründete er 1947 einen Studenten-Madrigalchor. 1948 folgte er seinem Lehrer nach Köln als Dozent für Musiktheorie und Chorleitung; gleichzeitig hatte er die Leitung des pädagogischen Seminars der Musikhochschule Köln inne. Die mit den Häusern in Altenberg und der Wies verbundene Mitarbeit in der Werkgemeinschaft Musik setzte 1949 ein. Dazu gehörte die Leitung zahlloser Chorwochen und Chorleiterseminare. Während der Kölner Jahre lernte Schieri seine  Frau kennen, deren Name uns durch die Einsingübung „Lui-Lui-Lui-i-i-se“ in liebevoller Erinnerung ist. Der Ehe entstammen vier Kinder. 1959 erfolgte die Berufung zum Professor für Komposition, Musiktheorie und Chorleitung an der Musikhochschule seiner Heimatstadt München. Das bis dahin nicht existierende Fach „Chorleitung“ galt es erst einmal zu etablieren; ebenso galt es die Hochschulchöre aufzubauen und zu leiten. Seit 1963 war Schieri vertreten in den verschiedenen liturgisch-musikalischen Gremien der katholischen Kirche in Deutschland, so etwa in der ökumenischen Kommission der Psalmenübersetzung, der Arbeitgemeinschaft „Musik im Gottesdienst“ oder der Vorbereitungskommission für das Einheitsgesangbuch „Gotteslob“. In der Nachfolge Karl Höllers wurde Schieri 1972 zum Präsidenten der Münchner Musikhochschule gewählt, eine Ehre und Bürde, die er bis 1981 trug. Mit dem Eintritt in den Ruhestand wurde er 1987 zum Ehrenpräsidenten der Musikhochschule ernannt. Sein umfangreiches Wirken erfuhr 1977 mit der Verleihung des Gregoriusordens und 1992 mit der Vergabe des Bundesverdienstkreuzes eine gebührende Würdigung. Zu diesem seinem umfassenden Wirken gehört neben einer Vielzahl erfolgreicher Studenten eine Legion von Sängerinnen und Sängern, die er für die Musik zu begeistern vermochte. Gleichermaßen gehört aber auch seine Tätigkeit als Komponist dazu: unzählige geistliche wie weltliche Chorwerke, Kantaten, Proprien, Balladen, zum Teil mit Instrumenten finden sich neben über 1000 Sololiedern mit Klavierbegleitung, Liedsätzen, Kanons, Liturgiegesängen etc…Seiner Schreibweise wurde einmal wegen des dem Geist der Einstimmigkeit verpflichteten parallelstimmigen Satzes der Begriff „paraphon“ zugewiesen. Einer seiner Nachfolger im Präsidentenamt, Prof. Robert M. Helmschrott, formulierte einmal anlässlich einer Laudatio: „Sie sind der Vater liturgiebezogener nachkonziliarer Kirchenmusik im deutschen Sprachraum.“ So hat sich eben Schieri auch der kleinen Form wie jener des Kehrverses mit großem Engagement und großer Kompetenz angenommen. Fritz Schieri wörtlich: „Man glaubt gar nicht, welche Konzentration notwendig ist, um solch kleine Melodien so zu bauen, dass sie Hand und Fuß haben, dass sie von der Gemeinde auch gesungen werden können und auch einen dauernden Wert behalten.“ So stammt auch jener österliche Kehrvers GL 233,5 aus der Feder Fritz Schieris, bei dem wir singen: „Der Herr hat den Tod besiegt. Halleluja.“ Der dauernde Wert dieser Glaubenswahrheit ist wohl der größte Trost in der Trauer über seinen Verlust. RIP.

 

(Hans Leitner)

Luzerner Kulturpreis 2009 für Wolfgang Sieber

Der diesjährige Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern wurde Wolfgang Sieber, dem Organisten der Luzerner Hofkirche, zuerkannt.

Sieber *(1954) entstammt einer Musikerfamilie aus Lichtensteig, dem Landstrich, der durch seine Toggenburger Hausorgeln bekannt ist. Seine Ausbildung erhielt er durch Hans Vollenweider in Zürich, Jiři Reinberger in Prag, Gaston Litaize und Jean Langlais in Paris sowie Franz Lehrndorfer in München. Sein Schaffen als Solist, Begleiter und Korrepetitor umfasst klassische, ethnische und traditionell volkstümlische Musik ebenso wie Bereiche des Jazz. Finden sich in der CD-Reihe „The Symphonic Organ“ Einspielungen von Franck, Reger und Messiaen, so trat er vor wenigen Jahren bei den Jazztagen in seinem Geburtsort als Klaviersolist mit Gershwins Rhapsody in Blue auf. Die Gesamtaufführung von Messiaens „Nativité“ im Jubiliäumsjahr 2008 wurde auch auf Tonträger dokumentiert.

Siebers hauptsächlicher Aufgabenbereich ist die Ausübung des Organistenamtes an der Stifts- und Pfarrkirche St. Leodegar in Luzern, wo ihm mit der großen 32’-Orgel ein auch für Schweizer Verhältnisse außerordentlich vielseitiges Instrument zur Verfügung steht. Die Jury für die Vergabe des Preises (er ist mit 15.000 Schweizer Franken dotiert) würdigte denn auch Siebers vielfältige künstlerische Tätigkeit und urteilte zusammenfassend: „Er gilt als ‚Befreier der Orgel’ hinsichtlich der Rolle der Orgel als Kirchenmusikinstrument. Der Komponist und Instrumentalist spielt und jongliert mit einer Vielzahl von kontrastierenden Stilen und vereint sie mit untypischen Kulturen und Partnern und bringt sie mit Erfolg in die Kirche zurück. Dieses Talent hat ihm große internationale Anerkennung eingebracht.“

Hans Haselböck

Neuer Präsident der Pueri Cantores Austriae

Domkapellmeister Mag. Josef M. Döller (Graz) ist der neue Präsident der Pueri Cantores Austriae. Er wurde als Nachfolger von Prof. Dr. Josef Bogensberger (Salzburg) gewählt, der 20 Jahre lang äußerst verdienstvoll den österreichischen Verband der internationalen Vereinigung der Pueri Cantores geleitet hat. Während die „Pueri Cantores“ sich ursprünglich hauptsächlich aus den Chören der Knabenseminare der Klöster und Diözesen rekrutierten und in den ersten Jahren fast ausschließlich aus Knabenchören bestanden, gehören inzwischen längst auch Mädchenchöre und gemischte Kinder- und Jugendchöre diesem Verband an. Weltweit umfasst diese Vereinigung heute etwa 800 Chöre in mehr als 30 Ländern auf allen Kontinenten mit insgesamt rund 30.000 jungen Sängerinnen und Sängern. Als Ziel steht in den Statuten „die lebendige musikalische Gestaltung der Liturgie zu fördern, geistliche wie weltliche Chormusik zu pflegen und im Rahmen der Aktivitäten des nationalen wie auch des internationalen Verbandes der Pueri Cantores christliche Gemeinschaft zu leben im Bewusstsein geschwisterlicher Verbundenheit mit den anderen Völkern und Kulturen dieser Erde.“ Dr. Bogensberger hat neben vielen anderen Aktivitäten 20 nationale Kongresse (mit internationaler Beteiligung) in Österreich organisiert und österreichische Teilnehmer zu den internationalen Kongressen geführt. Der nächste internationale Kongress findet von 8.-12. Juli 2009 in Stockholm statt, für 2010 ist ein nationaler Kongress in Österreich geplant. Ein besonderes Anliegen von Dr. Bogensberger war immer die Hinführung der Jugend zur Kunst, vor allem zur Sakralmusik, und – unter Vermeidung jeder stilistischer Verengung – die Öffnung auf ein möglichst breites Spektrum der Musik von früheren Jahrhunderten bis zur Gegenwart. In der Generalversammlung am 14. März 2009 wurde er für seine jahrzehntelange hochgeschätzte Tätigkeit zum Ehrenpräsidenten der Pueri Cantores Austriae ernannt.

Friedrich Lessky

Neuer Abt von Mehrerau

Am 21. März wurde der 38-jährige P. Anselm van der Linde zum neuen Abt der Zisterzienserabtei Mehrerau geweiht. Der Konvent der Abtei am Bodensee hatte den gebürtigen Südafrikaner, der seit 15 Jahren in Mehrerau lebt, am 30. Jänner zum Nachfolger von Abt Kassian Lauterer gewählt.

Die Zisterzienserabtei Mehrerau, in der derzeit 35 Mönche leben, hat den Status einer Territorialabtei und ist direkt dem Papst unterstellt. Wegen ihres Status als Territorialabtei ist der jeweilige Abt auch Mitglied der Österreichischen Bischofskonferenz.

Anselm van der Linde wurde 1970 in Roodepoort bei Johannesburg (Südafrika) geboren. Mit 21 Jahren konvertierte er zur katholischen Kirche. Zunächst setzte er sein Studium der Politikwissenschaften an der Universität Pretoria fort, informierte sich aber damals bereits eingehend über das katholische Ordenswesen. Drei Gestalten machten auf ihn einen besonderen Eindruck: Benedikt von Nursia, Bernhard von Clairvaux und Abt Franz Pfanner, der aus Vorarlberg stammende Gründer von Mariannhill, dem bedeutendsten Missionszentrum Südafrikas.

1994 verbrachte er als Gast in Mehrerau die Kar- und Ostertage, meldete sich bald darauf als Postulant an und trat in Folge sein Noviziatsjahr an. Nach der zeitlichen Profess studierte er ein Jahr Philosophie und Einführung in die Theologie an der Theologischen Hochschule der Benediktinerabtei Einsiedeln. Daran schloss sich das Fachstudium der Theologie an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin in Rom.

Am 22. August 1998 – dem Fest des Heiligen Bernhard – legte Van der Linde seine ewigen Gelübde ab. Am 15. August 1999 wurde er von Bischof Klaus Küng zum Priester geweiht.

Neben ordensinternen Aufgaben wirkte P. Anselm ab Herbst 2000 am „Collegium Bernardi“ mit seinen 370 Schülern in der Jugenderziehung und setzte sich besonders für eine gute Gestaltung der Schülergottesdienste ein. Die Jahre 2002 bis 2006 verbrachte er in Rom, wo er am „Angelicum“ das Fach Kirchenrecht studierte, das er mit dem Lizenziat abschloss. 2005 wurde er von Bischof Elmar Fischer zum Kirchenanwalt am Diözesangericht Feldkirch ernannt.

Im Herbst 2007 begann P. Anselm weiters in mehreren Klassen des Gymnasiums Mehrerau das Fach Religion zu unterrichten und als Seelsorger der Studentenverbindung „Augia Brigantina“ zu wirken.

Der Theologe und Kirchenrechtler spricht sechs Sprachen. Der Wahlspruch des neuen Abtes lautet „Caritate invicem diligentes“ („Einander in Liebe zugetan sein“).

kathpress

(red)


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